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Chronologie der Ereignisse > Deutschland

Datum Ereignis
Berlin
3. Februar 1979 Im Kreuzberger Stadtteil SO 36 wird von der Bürgerinitiative SO 36 Kritik an der städtischen Sanierungspolitik und Wohnungsbaupraxis ge-übt: Ein Haus wird besetzt. Flächensanierungen, der Abriss von Altbauwohnvierteln und die Erstellung von Wohnhochhäusern sind Merkmale einer Stadtentwicklungspolitik, die ganze Stadtteile in ihrer baulichen und sozialen Struktur verändern. Gleichzeitig bleiben Tausende Wohnungen wegen der Spekulation leer. Die Besetzung wird in kurzer Zeit durch Mietverträge mit der senatseigenen Wohnungsbaugenossenschaft legalisiert und führt zur Wiedervermietung von rund 40 leerstehenden Wohnungen.
November 1979 Der Bürgerinitiative SO 36 nahe stehende Personen besetzen weitere Gebäude. Die BesetzerInnen werden zwar nicht als legale MieterInnen anerkannt, doch von nun an werden Hausbesetzungen halbwegs geduldet.
28. März 1980 Erstes Treffen der Berliner Besetzerszene und Gründung des «Besetzerrates»
12. Dezember 1980 Die erste gewaltsame Konfrontation um besetzte Häuser am Fraenkelufer: Kurz vor einem geplanten Gespräch zwischen Senatsbeauftragten und BesetzerInnen nimmt die Polizei Leute fest, die versuchen, ein Haus zu besetzen. Nach Gerüchten über weitere geplante Räumungen versammeln sich die mobilisierten BesetzerInnen vor dem Haus Admiralstrasse 20 und beginnen Barrikaden zu errichten. Die Situation eskaliert ähnlich wie in Zürich. Bei der ersten Strassenschlacht werden 270 Personen verletzt, davon 70 Polizisten und 200 Zivilpersonen.
16. Dezember 1980 Bei einer Demonstration von rund 3000 Jugendlichen gegen das Verhalten der Polizei bei der Räumung besetzter Häuser werden 50 TeilnehmerInnen festgenommen. Die Demonstration endet mit demolierten Polizei- und Privatwagen und zahllosen Verletzten.
20. Dezember 1980 Eine Solidaritätsdemonstration von ca. 20000 Leuten fordert die Freilassung der Verhafteten; es kommt zu einer breiten Solidarisierung bis in bürgerlich-liberale Kreise.
15. Januar 1981 Unter dem Druck der Hausbesetzungen und mehrerer Skandale muss der Stobbe-Senat zurücktreten.
23. Januar 1981 Nach dem Amtsantritt des neuen Senats unter Hans-Jochen Vogel (SPD) beginnt ein Besetzungs-Boom. Der Senat verkündet die sogenannte «Berliner Linie der Vernunft», die Hausbesetzungen vorrangig als politisches und dann erst als polizeiliches Problem bewertet und blossen Hausfriedensbruch nicht mehr verfolgen will. Die Zahl der besetzten Häuser steigt bis März 1981 auf ca. 170 Objekte.
7. Februar 1981 10000 Personen demonstrieren in Berlin unter dem Motto «Amnestie jetzt!». Etwa 60 Häuser sind inzwischen besetzt worden.
29. März 1981 Der Senat schlägt ein Modell vor, das die Verwaltung aller besetzen Häuser durch eine Treuhandgesellschaft vorsieht, die aus Mitgliedern von Mieterinitiativen bestehen soll. Der Besetzerrat ist gespalten, ob man sich bis zur Freilassung aller Inhaftierten jeder politischen Lösung weiterhin widersetzen soll.
7. April 1981 Polizeiliche Grossaktion in Berlin-Kreuzberg, bei der u.a. die 138 Personen des Besetzerrates vorläufig festgenommen werden.
11. April 1981 Rund 30000 Personen demonstrieren friedlich gegen Polizeiübergriffe und Sanierungspolitik.
10. Mai 1981 Nach den Neuwahlen zum Berliner Senat übernimmt die CDU die Regierung. Die «Berliner Linie» soll zwar laut dem neuen Bürgermeister Richard von Weizsäcker offiziell weitergeführt werden, doch wird schärfer gegen Hausbesetzer vorgegangen. Waren im Frühjahr 1981 noch ca. 170 Häuser besetzt, so lässt der neue Innensenator Lummer durch eine harte Räumungspolitik und durch nachträgliche Legalisierungen über Nutzungsverträge die Zahl der besetzten Häuser reduzieren. Gleichzeitig werden HausbesetzerInnen kriminalisiert, was die Polarisierung in der Szene in «Radikale» und «Verhandler» verstärkt.
25. Juni 1981 Während das Berliner Abgeordnetenhaus über den von der «Alternativen Liste» (seit den Wahlen mit neun Abgeordneten im Parlament) eingebrachten Antrag auf Amnestie für Hausbesetzer debattiert, demonstrieren 15000 Menschen für ihre Freilassung. Fast 1000 Militante versuchen, die Bannmeile um das Rathaus Schöneberg zu durchbrechen und liefern sich harte Konfrontationen mit der Polizei.
12. Juli 1981 Unter dem Motto «Demonstrationen besuchen Spekulanten» ziehen 5000 Personen zum Berliner Villenviertel Grunewald, vor die Haustüren bekannter SpekulantInnen. Dabei gehen Fensterscheiben in Brüche, und ein Zivilbeamter der Polizei wird vertrieben. Die Berliner Presse vergleicht demonstrierende «Chaoten» mit «SA-Horden».
Juli 1981 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens übernehmen Patenschaften für besetzte Häuser, die von der Räumung bedroht sind.
1. August 1981 Nach Ankündigung des Bausenators bald neun besetzte Häuser räumen zu lassen, lädt der Besetzerrat Ende August zu einem vierwöchigen TUWAT-Spektakel ein. Um den TUWAT-Aufruf, der einen «heissen Herbst» ankündigt, gibt es in der Öffentlichkeit einigen Wirbel.
24. August 1981 Gründung einer für Ruhe und Ordnung eintretenden «Bürgeraktion gegen das Chaos» mit der auch Innensenator Lummer sympathisiert.
27. August 1981 Im Wedding treffen rund 100 zum Teil bewaffnete «Teds» und Rockergruppen auf einen Fackelzug des «TUWAT-Spektakels». Die Polizei trennt die beiden feindseligen Gruppen.
22. September 1981 Räumung von acht Häusern. Während eines Einsatzes der Polizei stirbt der Demonstrant K.J. Rattay als Folge einer Verkettung von unglücklichen Umständen. Die Nachricht aus Berlin führt zu Solidaritätsdemonstrationen in anderen Städten im In- und Ausland. Am Abend nehmen über 12000 Personen an einem Schweigemarsch durch die Innenstadt teil. Danach werden Barrikaden errichtet und angezündet, ganze Strassenzüge verwüstet und 25 Brandanschläge verübt. Die Bewegung hat durch die Unterstützung des gesamten Spektrums der städtischen Linken und der linksliberalen Öffentlichkeit ihre grösstmögliche Mobilisierung erreicht. Sie sieht sich vor die Wahl gestellt, zu verhandeln oder Haus um Haus zu verlieren. Ungefähr 5000 Menschen sind von Ermittlungsverfahren betroffen, unzählige sind bereits zu teilweise hohen Strafen verurteilt worden. Die Polizei geht zudem nicht mehr wahllos gegen alle BesetzerInnen vor, sondern kriminalisiert gezielt NichtverhandlerInnen und fördert damit den Zerfall der Bewegung. Die Verhandlerfraktion gewinnt die Oberhand.
Ende 1981 Die Häuserkampfbewegung beginnt sich aufzulösen. Den planmässig aus allen anderen Stadtteilen «hinausgeräumten» BesetzerInnen wird vom West-Berliner Senat faktisch ein Schlupfloch in Kreuzberg gelassen, wo weit zurückhaltender geräumt und intensiver legalisiert wurde.
Mitte 1983 Von den ehemals 165 besetzten Häusern sind 56 noch besetzt, 47 wurden polizeilich geräumt, 45 über Verträge legalisiert und 19 von den HausbesetzerInnen freiwillig geräumt .
November 1984 Das letzte besetzte Haus schliesst einen Vertrag ab. Insgesamt bleiben damit 78 legalisierte Häuser mit Miet-, Kauf- und Pachtverträgen. Ehemalige besetzte Liegenschaften werden zu wichtigen alternativen Kulturzentren der Berliner Szene. Der Häuserkampf zwang die Stadtbehörden dazu, Massnahmen gegen die Spekulation zu ergreifen und Renovierungsprojekte finanziell zu unterstützen. Freiburg i. Br.
Juni 1977 Dreisameck heissen fünf Häuser an der Ecke Kaiser-Joseph-/Schreiberstrasse. Während die Bewohner für vier davon einen Vertrag haben, wird das fünfte im Juni 1977 besetzt. Nach Verhandlungen erhalten die BesetzerInnen Mietverträge.
1979 Als der Eigentümer Konkurs geht, werden die Häuser weiterverkauft. Der neue Besitzer plant einen Neubau und kündigt die Mietverträge.
17./18. März 1980 Besetzung von drei weiteren Häusern des Dreisamecks als Protest gegen den drohenden Abriss. Wie in Berlin steht der Widerstand in Freiburg im direkten Zusammenhang mit der Wohnungs- und Sanierungsproblematik.
8. Juni 1980 1200 Polizisten räumen das besetzte Dreisameck.
9. Juni 1980 10000 Personen demonstrieren gegen die Räumung.
13. Juni 1980 Die Vollversammlung der Universität Freiburg hat zu einer weiteren Demo gegen die Sanierungspolitik und die Strafverfahren im Zusammenhang mit der Hausbesetzerbewegung aufgerufen. Während der Demo wird der Schwarzwaldhof am Rande der Innenstadt besetzt. Im Gebäude entsteht Wohn-, Arbeits- und Kulturraum, der Platz für etwa 100 Personen bietet.
1. Juli 1980 Der kurzfristige Bedarf an Wohnungen wird an der Gemeinderatssitzung auf ca. 2500 Wohn-einheiten beziffert, der längerfristige Bedarf von 1980-90 auf ca. 9000 Wohneinheiten.
17. Oktober 1980 Nach einer Demo gegen die Wohnraumpolitik in Freiburg mit ca. 3000 TeilnehmerInnen kommt es zur ersten Razzia im Schwarzwaldhof.
5. Dezember 1980 Obwohl sich der Gemeinderat am 11.11. mehrheitlich für den Abriss der Gebäude entschieden hatte, bietet die Stadt Verhandlungen an, die jedoch ohne Ergebnis abgebrochen werden.
4. März 1981 Das am 3.3. an der Moltkestrasse besetzte Haus wird von der Polizei geräumt. Am Abend demonstrieren etwa 700 Personen vor dem Rathaus der Stadt, wobei etliche Scheiben zu Bruch gehen. In der Nacht kommt es in der Innenstadt zu schweren Auseinandersetzungen mit hohem Sachschaden.
6. März 1981 Bei der Räumung des Schwarzwaldhofes werden 70 Personen festgenommen. Die Polizei sichert den Gebäudekomplex, um eine erneute Besetzung zu verhindern; 4000 Polizisten sind im Einsatz.
13. März 1981 15000 Personen demonstrieren gegen die Polizeieinsätze. Unter dem Motto «Bürger beschäftigen die Polizei» finden im gesamten Bundesgebiet dezentrale Aktionen von HausbesetzerInnen statt.
12. Mai 1981 Der Schwarzwaldhof wird abgerissen. Eine Demonstration gegen den Abriss verläuft friedlich.
Nürnberg
5. März 1981 Im Kommunikationszentrum (KOMM) wird ein Film über die «Kraaker» von Amsterdam gezeigt. Während einer Spontandemonstration durch die Nürnberger Innenstadt gehen einige Scheiben zu Bruch (Sachschaden rund 20000 DM). Als die TeilnehmerInnen ins KOMM zurückkehren, riegelt die Polizei das Gebäude ab und verhaftet 141 BesucherInnen. Ein Teil der Verhafteten hat nicht an der Demonstration teilgenommen.
6. März 1981 Bundesweit verschiedene Protestkundgebungen mit zehntausenden Menschen gegen die Ereignisse in Nürnberg. Gleichzeitig löst die grösste Massenverhaftung seit Bestehen der BRD eine heftige politische Auseinandersetzung um die Verhältnismässigkeit polizeilicher Mittel aus.
7. März 1981 Etwa 2000 Personen demonstrieren für die Freilassung der Inhaftierten.
10. März 1981 Etwa 5000 Personen protestieren unter dem Motto «Für Reform - gegen Gewalt - für Demokratie - gegen Polizeistaat» in der Fussgängerzone gegen die Massenverhaftung.
11. März 1981 In einer nicht angemeldeten Demonstration ziehen zwischen 500 und 600 Personen durch die Würzburger Innenstadt, nachdem bekannt geworden ist, dass einige der in Nürnberg inhaftierten Jugendlichen in die Justizvollzugsanstalt in Würzburg gebracht worden waren.
Hamburg
31. Dezember 1981 Ab Silvester 1981 werden die Häuser an der Hafenstrasse nach und nach still besetzt.
23. Februar 1982 Die «schleichenden» Besetzungen werden öffentlich gemacht, da sich die BesetzerInnen kurz vor den Wahlen stark genug fühlen, die Auseinandersetzung um Mietverträge zu führen. Die Eigentümerin der Häuser an der Hafenstrasse 108-126 und der Bernhard-Nocht-Strasse 16-24, die städtische Wohnungsbaugesellschaft SAGA, stellt sofort Strafantrag, und die Häuser werden von der Polizei geräumt. Die Wohnungen werden unmittelbar danach wieder besetzt.
19. Oktober 1982 Erst nach einem von Bausenator Lange in Auftrag gegebenen Gutachten, das den guten baulichen Zustand aller Häuser bescheinigt, beschliesst der Senat neun der insgesamt zwölf Häuser zu erhalten.
27. Februar 1983 Die Polizei nimmt anlässlich der dritten Hausdurchsuchung 31 BesetzerInnen fest. Diese Taktik der polizeilichen «Nadelstiche» - Hausdurchsuchungen, Teilräumungen, Zerstörungen von Inventar etc. - gehört von nun an für ein Jahrzehnt zum Alltag von HausbesetzerInnen.
29. Juli 1983 Der Senat stellt sein erstes Ultimatum: Wenn bis zum Jahresende keine «eindeutigen Rechtsverhältnisse» geschaffen seien (Abschluss von Verträgen), werde geräumt. Meinungsverschiedenheiten bestehen jedoch bei der vom Senat geforderten vollständigen Namensliste aller BewohnerInnen, was die BesetzerInnen ablehnen. Sie stimmen schliesslich befristeten Mietverträgen bis Ende 1986 zu.
1985 Die Stadt plant, die gesamte Hafengegend bis zu den Feierlichkeiten zum 800. Hafengeburtstag 1989 umzugestalten. Teil der Planungen ist der Abriss der besetzten Häuser. Ab 1985 verstärken Senat und SAGA ihre Bemühungen, die Unbewohnbarkeit der Häuser festzustellen und damit den Abriss zu rechtfertigen.
28. März 1985 Die Bauprüfer der SAGA dringen unter Polizeischutz in die drei Häuser ein, ohne jedoch die Unbewohnbarkeit/Baufälligkeit der Gebäude feststellen zu können. PolizistInnen zerstören Treppengeländer und Elektroinstallationen.
28. Oktober 1986 500 Polizisten räumen 13 Wohnungen. Eine Solidaritätsdemonstration mit über 3000 TeilnehmerInnen, die versucht, zu den Häusern zu gelangen, wird von der Polizei gestoppt. Nach den Räumungen machen die HausbesetzerInnen mit mehreren militanten Aktionen im gesamten Hamburger Stadtgebiet deutlich, dass eine Räumung der gesamten Hafenstrasse Folgen für die Hamburger Banken- und Geschäftswelt haben würde.
20. Dezember 1986 Die Hafenstrassen-BewohnerInnen gründen am 15. Dezember den «Initiativkreis für den Erhalt der Hafenstrasse», der für den 20. Dezember zu einer Solidaritätsdemonstration aufruft. An dieser Demonstration, auf der es zu heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei kommt, nehmen 10000 Menschen teil. Es gelingt den BewohnerInnen, ihre Isolation mit einem Bündnis mit linksliberal-bürgerlichen Kreisen zu durchbrechen.
1987 Prominente UnterstützerInnen der Hafenstrasse versuchen mehrmals, zwischen Senat und BewohnerInnen zu vermitteln. Bekanntestes Beispiel ist das Angebot des Millionenerben Jan Philipp Reemtsma, die Häuser zu kaufen und einer GmbH zu überschreiben. Der Senat begrüsst diese Angebote, erklärt aber gleichzeitig, dass er wegen laufender Koalitionsverhandlungen nicht entscheidungsfähig sei. Reemtsma zieht sein Angebot wieder zurück.
19. Juli 1987 Die im vergangenen Herbst geräumten Wohnungen werden wieder besetzt. Die Räumung aller Häuser scheint nun unmittelbar bevorzustehen.
August 1987 Mehrere prominente HamburgerInnen reisen nach Sylt, wo Bürgermeister v. Dohnanyi seinen Urlaub verbringt, und versuchen, ihn von einer Räumung abzubringen. Tatsächlich werden die Häuser nicht geräumt, und v. Dohnanyi legt am 9. August seinen Vertragsentwurf vor. Die BewohnerInnen stimmen zu, werden allerdings bald darauf mit neuen, wesentlich restriktiveren Verträgen konfrontiert, die die «Hardliner»-Fraktion im Senat mittlerweile durchsetzen konnte.
Ende 1987 Auf einem Plenum der Hafenstrassen-BewohnerInnen spricht sich die Mehrheit für eine militante Verteidigung aus. An einer grossen Demonstration zum Erhalt der Hafenstrasse am 31. Oktober beteiligen sich Tausende von Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet, etliche davon in schwarz, ausgerüstet mit Sturmhauben oder Helmen. Dass es dennoch nicht zu einer Eskalation kommt, hat viel mit der Person v. Dohnanyis zu tun, der durch eine persönliche Garantieerklärung in letzter Minute dafür sorgt, dass die Hafenstrassen-BewohnerInnen die vor und an den Häusern errichteten Barrikaden und Befestigungen abbauen. Die Räumung erfolgt nicht, und ein «Verein Hafenstrasse» schliesst Pachtverträge ab. Kurz danach tritt v. Dohnanyi als Bürgermeister zurück. Sein Nachfolger wird Henning Voscherau - ein erklärter Gegner der Hafenstrasse. In den folgenden drei Jahren kommt es trotz Verträgen immer wieder zu Auseinandersetzungen mit der Stadt und der Polizei.
Bremen
6. Mai 1980 Im Weserstadion werden Bundeswehrsoldaten mit einer Zeremonie öffentlich vereidigt. Es kommt zu Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und Polizisten. Während sich Generäle und PolitikerInnen mit Hubschraubern aus dem Stadion ausfliegen lassen, müssen die Rekruten bis Mitternacht warten: Erst dann hat die Polizei die Lage unter Kontrolle.
Hannover
11. November 1980 1250 Rekruten treten zum Bundeswehrgelöbnis an. Das Niedersachsenstadion wird von ca. 1000 PolizistInnen bewacht. Gleichzeitig kommt es in der Innenstadt zu Krawallen: Scheiben werden eingeworfen und Polizeiautos umgekippt.
Göttingen
Mitte Oktober 1980 Etwa 100 StudentInnen besetzen leerstehende Kliniken der Göttinger Universität - zunächst die Augenklinik, im November die ehemalige Chirurgie.
31. Dezember 1980 Am Silvesterabend werden Scheiben von zwei Geschäften eingeschlagen, deren Besitzer in der Szene als rassistisch und frauenfeindlich gelten. Strassenschlachten, als die Polizei die Steinewerfer verhaften will.
4./5. Februar 81 Demonstration von 2000 TeilnehmerInnen nach der Räumung zweier besetzter Häuser: Mehrere Scheiben werden eingeschlagen. Später wird der Mitteltrakt des «Alten Klinikums» besetzt und gegen die Polizei verteidigt.
12. März 1981 Räumung der besetzten Kliniken.
Frankfurt
11. April 1981 Besetzung des ehemaligen Bundesbahnausbesserungswerks in Frankfurt-Nied. Die Besetzer sind isoliert in einer Stadt, die einst Zentrum des Häuserkampfes war.
28. Juli 1981 Die Räumung erfolgt ohne grossen Widerstand.
Bochum
26. Juni 1981 Der Versuch einer Fabrikbesetzung wird von der Polizei verhindert.
27. Juni 1981 Eine zweite Besetzung wird geduldet. Im besetzten Areal wird ein Kultur- und Kommunikationszentrum eingerichtet.


Recherchen: Thomas Stahel
Quellen:
Aust, Stefan und Rosenbladt, Sabine (Hrsg.): Hausbesetzer. Wofür sie kämpfen, wie sie leben und wie sie leben wollen. Hamburg 1981.
Brand, Karl-Werner u.a.: Aufbruch in eine andere Gesellschaft. Neue soziale Bewegungen in der Bundesrepublik. Frankfurt a.M./New York 1984.
Brandes, Volkhard/Schön, Berhard (Hrsg.): Wer sind die Instandbesetzer? Selbstzeugnisse, Dokumente, Analysen. Ein Lesebuch. Bensheim 1981.
Halter, Hans: «Niemand hat das Recht». Über die Bewegung der Hausbesetzer in Berlin. In: Haller, Michael (Hrsg.). Aussteigen oder rebellieren. Jugendliche gegen Staat und Gesellschaft. Hamburg 1981, S. 99-113.
Lindner, Werner: Jugendprotest seit den fünfziger Jahren. Dissens und kultureller Eigensinn. Opladen 1996.
Orlowsky, Werner: Die Berliner Hausbesetzer. In: Breyvogel, Wilfried (Hrsg.). Autonomie und Widerstand. Zur Theorie und Geschichte des Jugendprotestes. Essen 1983, S. 13-22.
Rekittke, Volker/Becker, Klaus Martin: Politische Aktionen gegen Wohnungsnot und Umstrukturierung und die HausbesetzerInnenbewegung in Düsseldorf von 1972 bis heute. Düsseldorf 1995. Diplomarbeit
Seipel, Hubert: Offene Feindschaften. Über die Jugendrebellion in Hannover, Bremen, Göttingen. In: Haller, Michael (Hrsg.). Aussteigen oder rebellieren. Jugendliche gegen Staat und Gesellschaft. Hamburg 1981, S. 71-84.
Willems, Helmut: Jugendunruhen und Protestbewegungen. Eine Studie zur Dynamik innergesellschaftlicher Konflikte in vier europäischen Ländern. Opladen 1997.